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Mobilität
Die positiven, futuristischen Aspekte der Mobiltät im Sinne von Fortbewegung
sind auf einem S-Bahnhof bereits vielfältig sinnlich erfahrbar. Bahnsteige, Züge,
Fahrpläne, Menschen in Eile, Lautsprecherdurchsagen, Fahrtwind etc..
Die Überwindung von Zeit und Raum ist an diesem Ort Realität und wird täglich
von den Fahrgästen erlebt.
Trotz ihrer positiven Funktion sind Bahnhöfe, Bushaltestellen und die öffentlichen
Verkehrsmittel bekannterweise Orte, an denen sich ein offensichtliches Bedürftnis
nach Vandalismus entzündet und abreagiert.
Sie wirken wie Un-Orte – Übergangsorte von einem Aufenthaltsort zum nächsten,
an
denen man nicht bleiben will, Orte ohne Identität, zu denen niemand eine persönliche
Beziehung aufbaut, gesichtslose Knotenpunkte einer mobilen Gesellschaft, die wenig
Respekt verdienen.
(Es drängt sich der Gedanke auf, ob dieses Phänomen von Verwahrlosung auch Sinnbild
ist für andere Bereiche, in denen Mobilität zum Dogma geworden ist. Etwa wenn Arbeit-
suchende den wenigen Arbeitsangeboten von Stadt zu Stadt hinterherwandern, wenn
ganze Produktionsbereiche über die Welt verschoben werden, oder wenn Südfrüchte
in Containern reifen.)
Dem S-Bahnhof Allermöhe ist es nicht besser ergangen. Er liegt direkt am zentralen
Platz des Stadtteils mit Geschäften, Banken, Post etc. in einem nahezu idyllischen
Umfeld mit Brücken und Grachten, das sonst keine größeren Spuren von Vandalismus
aufweist.
Die schönen blauen Glasplatten, die die Betonwände der Bahnsteigbauten auflockern
und strukturieren, sind exakt bis in die Höhe, die ein Mensch noch erreicht, vollständig
zerschlagen und teilweise abgebröckelt - eine Erosion menschlichen Ursprungs. Man
spürt fast auch ein wenig die Lust, die mit dieser Zersörung einhergegangen sein muss,
vergleichbar mit dem genüsslichen Zerdrücken der Luftblasen von Verpackungsfolien. |
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