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Renovierung, Aufwertung und gesellschaftliches Experiment.

In einem einfachen Experiment wollen wir das gesellschaftliche Phänomen
untersuchen, zu einer öffentlichen Auseinandersetzung anregen und mit etwas
Glück die Renovierung und eine dauerhafte Aufwertung der Immobilie erreichen.

Wir gehen davon aus, dass jedem regelmäßigen Benutzer der S-Bahn, und
damit den meisten Anwohnern, die Zerstörung aufgefallen ist und diese von
den meisten abgelehnt wird.

Wir nehmen an, dass die Zerstörung von bestimmten Gruppen ausgeht und dass
sich dabei Frustration entläd, die gegen die Gesellschaft als unspersönlichem nicht
greifbarem Gebilde gerichtet ist, von dem sich der Einzelne in seinen persönlichen
Nöten alleingelassen fühlt.

Uns interessiert, ob man die Hemmschwelle für die stellvertretende Gewalt erhöhen
kann, wenn die Gegenstände, gegen die sie sich richtet mit Persönlichkeit, Emotionen,
Kreativität und regionalem Bezug aufgeladen werden.

Zu diesem Zweck wollen wir die zerstörten Glasplatten mit individuell gestalteten
Kacheln ersetzen. In einem Wettbewerb werden die Anwohner dazu aufgefordert,
gemalte, gezeichnete, fotografierte, getextete Beitrage zu dem Thema „was oder
wen ich liebe“ (Arbeitstitel) einzureichen. Die Motive werden technisch auf Kacheln
übertragen, so dass es für die Anwohner möglichst leicht ist, sich an der Aktion zu
beteiligen. Zur weiteren Motivation werden Gewinne ausgelobt (etwa Gutscheine von
ansässigen Geschäften). Durch regionale PR-Massnahmen wird die Aktion angekündigt
und begleitet, so dass der ganze Stadtteil informiert ist.

Die hohe Emotionalisierung und persönliche Beteiligung der Anwohner, wird dazu
führen, dass der gesamte Platz um den S-Bahnhof nach dem Anbringen der Kacheln
mit Spannung aufgeladen ist.

Mit Spannung wird erwartet werden, ob als Ergebnis zertrümmerte Bildnisse von
Kanarienvögeln, Familienmitgliedern, Nachbarn und Geliebten, Blumen, Traumwagen,
Landschaften etc. der Nachwelt erhalten bleiben, oder ob es einem Stadteil gelingt,
seinen S-Bahnhof ganz sanft in Besitz zu nehmen und von einem unpersönlichen
Durchgangsort zu einem Stück Heimat werden zu lassen.